Welt-Aids-Tag
Fast schon ist es Brauchtum: Morgen, am 1. Dezember, ist wieder Welt-Aids-Tag. Vielerorts dekorieren sich Menschen mit roten Schleifen, werfen den einen oder anderen Euro in Sammelbüchsen, schauen betroffen, benennen sich solidarisch mit Positiven, gedenken der Toten oder wirken auf andere Art und Weise wie Statisten in “Philadelphia”.
Es scheint, als sei es der Tag der Anderen, der Positiven. Ist es aber nicht! Es ist ein Tag, der sich in erster Linie an uns Negative richtet. Wir sind keine Statisten oder gar Zuschauer in einem Drama, das irgendwo abseits stattfindet.
Alle Präventionsinitiativen, alle Appelle an die Eigenverantwortlichkeit, alle Aufklärungskampagnen richten sich an uns Negative. Die Verantwortung für die eigene Gesundheit lässt sich nicht wegdelegieren, weder an Positive noch an vermeintlich Negative.
Kein Positiver hat wirklich etwas davon, wenn sich jemand mit dem Red Ribbon behängt. Soll die Erinnerung an das dekorierte Revers trösten, wenn die nächste Jobabsage wegen des HIV-Status im Briefkasten liegt? Benachteiligt die Ablehnung einer Lebensversicherung mit Schleifchen weniger? Schmerzt das abgesagte Date dann nicht so sehr?
Ausgrenzung, Benachteiligung, und Ablehnung positiver Menschen geht von uns Negativen aus.
Der Welt-Aids-Tag ist unser Tag. Wir können mehr als Schleifentragen.